Oberpfälzer Ämter organisierten 16. Direktvermarktertag
Die Wertschöpfung soll in der Region bleiben

Hausladen und Weindl sprechen zu den DirektvermarkterkollegenZoombild vorhanden

Gärtner Michael Weindl (l.) und Wirt Sebastian Hausladen (r.).

Die vier Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (ÄELF) der Oberpfalz hatten Anfang Februar 2024 zum 16. Oberpfälzer Direktvermarktertag nach Grafenkirchen geladen. Egal ob es darum geht, wie man die heiß begehrten und äußerst raren Arbeitskräften findet, mit dem Auflagendschungel der Bürokratie oder dem zunehmenden wirtschaftlichen Druck zurechtzukommen, bei den meisten Direktvermarktern drückt der Schuh an denselben Stellen.

Der Direktvermarktertag ist eine gute Gelegenheit, bei der sie sich über Lösungsansätze austauschen, Strategien entwickeln und manchmal auch einfach den Frust von der Seele reden können.

Mit kleinen Schritten zum Erfolg

Es ist eine regionale Wertschöpfungskette, von der viele Direktvermarkter, nur träumen können: Michael Weindl, Inhaber einer Bio-Gärtnerei und Gartenbau-Meister, und seinen Schwager Sebastian Hausladen, Wirt des Gasthauses Wirts-Wast in Grafenkirchen (Lkr. Cham), verbindet eine Wertschöpfungspartnerschaft.
Im besten Sinne bodenständig, das sind Gärtner Weindl und Wirt Hausladen, dessen Gasthof seit 1842 in Familienbesitz ist. Als er 2007 den Gasthof von seiner Oma übernommen hatte, wusste er nicht, ob und wie es weitergeht. Denn Grafenkirchen hatte früher drei Wirtshäuser, nur noch das der Hausladens war übriggeblieben. Sebastian Hausladen selbst hat ganz klein angefangen. Fast zu klein für Großhandel und Lieferanten. So machte er aus der Not eine Tugend und bezog die Fleisch- und Wurstwaren von der damals noch familieneigenen Metzgerei und das Gemüse vom Betrieb seines Schwagers in wenigen hundert Metern Entfernung.
Weindl führte durch seine Gärtnerei.

Weindl führte durch seine Gärtnerei.

Blick in ein Foliengewächshaus

Dort baut er saisonales Gemüse an.

Ein Blick in den Hofladen.

Ein Blick in den Hofladen.

Zwei Gänse vor Gärtnerkisten

Die Hofgänse Herbert und Schnipsi.

Die alten Gemäuer des urig-rustikalen Wirtshauses richtete er in liebevoller Kleinarbeit wieder her, und zusammen mit Schwager Michael Weindl schloss er sich dem Landgenuss e.V. an. Der Verein aus landwirtschaftlichen Betrieben, Lebensmittelverarbeitern, Gastronomen und Einzelhändlern hat sich zum Ziel gesetzt, regionale Lebensmittel aus dem Landkreis Cham und den Nachbargemeinden anzubieten. So schilderten die beiden ihre Erfolgsgeschichte.
Direktvermarktertag

Das regionale Fernsehen TVA berichtete
Regional darf es gerne sein, auch bio. Doch bei den Preisen schrecken dann viele wieder zurück und greifen doch eher zu den günstigeren Lebensmitteln. Genau das stellt regionale Erzeuger und Direktvermarkter vor große Herausforderungen: Wie bekomme ich meine Erzeugnisse zu einem guten Preis an den Verbraucher?

Den Kollegen gaben sie drei wichtige Lehren mit:
1. Kein Kredit
„Wir wollten nicht viel Geld investieren, und nach einem Jahr ist die Blase dann geplatzt“, erklärte Hausladen. Sie haben sich lieber auf ihrer eigenen Hände Arbeit verlassen. Und auf den Zusammenhalt in der Familie: Hausladen selbst steht in der Küche, seine Mutter, Michael Weindls Schwiegermutter, zupft in der Gärtnerei das Unkraut aus, Weindls Schwiegervater fährt das Gemüse an die umliegenden Gastronomen und Biomärkte aus. Und wenn beim Wirts-Wast viel los ist, so wie beim Direktvermarktertag, greift Gärtner Michael Weindl seinem Schwager unter die Arme und übernimmt die Getränkeversorgung.
2. Kein Konkurrenzdenken
„Wir können hier aufgrund unseres Bodens nicht anbauen, was in die Tiefe wächst, wie Pastinaken zum Beispiel“, erklärte Gärtner Weindl, der den Direktvermarktern auch seinen Hofladen zeigte und sie durch seine Gärtnerei führte. Deshalb arbeitet er mit anderen regionalen Biogärtnern zusammen. Weindl stellt zufrieden fest: „Wir spielen uns da die Bälle hin und her.“
3. Der eigenen Linie treu bleiben
Dass Weindl und Hausladen auf regionale und saisonale Lebensmittel setzen, stellt sie natürlich auch vor Herausforderungen. Ob es die Tomaten im Dezember auf dem Markt oder in der Speisekarte sind. Es gibt einfach nicht immer alles. Was sie dann machen? „Wir erklären unseren Kunden, was ist. Neun von zehn verstehen das auch. Da musst du dir einfach treu bleiben“, so Weindl.
Maria Deß vom Ziegenhof Deß bei Neumarkt.

Maria Deß aus Freystadt.

Kleingruppenarbeit.

Kleingruppenarbeit.

Kleingruppenarbeit

Die Ergebnisse wurden gesammelt.

Das Organisationsteam.

Das Organisationsteam.

Wichtige Informationen für Direktvermarkter

Bei diesen Berichten aus der Praxis fanden sich viele Direktvermarkter wieder und zeigten sich interessiert, wie ihre Kollegen die Sache angingen. Die beiden streiften auch so ziemlich Alles, was bei der Veranstaltung noch Thema war.
Kristina Hofmann, Referentin in der Geschäftsstelle des Beauftragten für Bürokratieabbau der Bayerischen Staatsregierung sprach über Bürokratieabbau und -vermeidung in der Direktvermarktung.
Zum 20-jährigen Jubiläums des Wettbewerbs „Bäuerin als Unternehmerin des Jahres“ stellte Maria Deß aus Freystadt (Lkr. Neumarkt i.d.OPf.), Siegerin von 2019, ihren Ziegenhof vor.
Nachmittags schließlich taten sich die Direktvermarkter in Kleingruppen zusammen, um über Themen wie Gemeinschaftsverpflegungen und Gastronomien als Kunden, Kundengewinnung und -bindung, Wertschätzung für regionale Lebensmittel sowie Arbeitsentlastung zu sprechen. Ein Infoblock zu den Angeboten des BBV, der ÄELF, der Landesanstalt für Landwirtschaft und zu Förderprogrammen rundete den Tag ab.