Meilerwochen vom 10. Juli bis 01. August 2026
Von altem Handwerk und rußigen Gesellen

Kohlenmeiler mit Besuchern

Gemütliche Atmosphäre am Kohlenmeiler
© Jürgen Köbler/AELF Cham

Die Köhlerei, einst ein unverzichtbarer Bestandteil der Waldwirtschaft, ist heute vielerorts in Vergessenheit geraten. In aufwendig gebauten Meilern wurde Holz unter Luftabschluss verschwelt, um wertvolle Holzkohle zu gewinnen. Hauptabnehmer der fertigen Holzkohle waren Eisenhütten und Hammerwerke, deren immenser Energiebedarf fast nicht zu decken war.

Etwa ein Dutzend Auszubildende zum Forstwirt aus dem Privat-, Kommunal- und Staatswald aus ganz Bayern beginnen damit, den Meilerkegel aufzubauen. Nach der Einweisung durch die zuständigen Förster macht sich ein Teil der Gruppe daran, im Staatswald Reisig zu schneiden. Die anderen errichten mit den vorbereiteten schweren Buchenscheitern den typischen Kohlemeilerkegel. Insgesamt werden dafür knapp 25 Ster Holz benötigt. Dann muss noch Kleinholz zum Nachfüllen des Quandelschachts gemacht werden.

Bis zum späten neunzehnten Jahrhundert wurde der Wald vielerorts zur Herstellung von Holzkohle genutzt. Frisches Holz ist um einiges schwerer als die verkohlte Form. Zugleich erzeugt die gewonnene Holzkohle beim Verbrennen eine höhere Temperatur als das Rohholz. Die Menschen erkannten früh diese Vorteile, Z.B. für den Transport zu den Hüttenwerken, wo Eisen aus dem Erz geschmolzen wurde.

Kaum eine andere historische Waldnutzungsart hat die ursprünglichen Wälder tiefgreifender verändert als die Köhlerei und noch heute weisen alte Gemarkungsbezeichnungen wie "Kohlstatt" oder "Kohlgrund" auf diese Form der Waldnutzung hin. Die Holzkohle diente aber auch zahlreichen anderen Zwecken. So gab es nicht nur am Prager oder Regensburger Kohlenmarkt einen regen Handel mit diesem begehrten Waldprodukt.

Köhler sind noch heute wahre Meister ihres Fachs. Sie beherrschen die Kunst, den zwei bis drei Wochen dauernden Schwelprozess durch geschicktes Öffnen und Schließen von Löchern im sonst dichten Erdmantel zu steuern. Ein anspruchsvolles Handwerk, das viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl erfordert.

Der jetzige Waldmünchner Meiler steht auf einer ehemaligen Kohlplatte. Die kreisrunde, ebene Fläche im Hang und der rabenschwarze Untergrund weisen auf den früheren Standort dieses Meilers hin. Alljährlich seit 1995 wird hier wieder ein authentischer Meiler aufgebaut und betrieben. Zum einen demonstrieren die Veranstalter längst vergessenes Handwerk. Zum anderen sensibilisiert ein Besuch am Meiler die Menschen für die Zusammenhänge zwischen Kultur und Natur sowie die Bedeutung der Wälder für unsere Gesellschaft - gestern wie heute!

Holzscheite liegen in einem kreisförmigen Haufen aufeinander gestapelt.

Kohlenmeilerkegel aus Buchenscheitern
© Jürgen Köbler/AELF Cham

Fertiger Holzkern des Meilers

Fertiger Holzkern des Meilers
© Jürgen Köbler/AELF Cham

Aus einem schwarzen Haufen steigt Rauch auf.

Kohenmeiler schwelt
© Jürgen Köbler/AELF Cham

Aus einem schwarzen Haufen steigt Rauch auf.

Schwelen des Meilers
© Jürgen Köbler/AELF Cham

Wussten Sie, dass...

...das Kohlengewicht aus Buche nur etwa 25 % des Rohholzgewichts beträgt?
Bei Fichte und Tanne sind es sogar nur noch 20 %. Ein Festmeter Buchenholz ergibt rund 270 kg Holzkohle.

...Holzkohle früher militärisch im Feld genutzt wurde?
Holzkohlenfeuer verbrennen ohne Rauchentwicklung und wurden daher von den gegnerischen Linien nicht erkannt.

...der Meiler von oben über den »Quandelschacht« entzündet wird?
Um diesen mittigen Zündschacht aus vier stabilen Holzstangen werden etwa 20 Ster Buchenholzscheite in zwei bis drei Etagen kegelförmig aufgestellt. Nach dem Entzünden auf dem
Schacht fällt die Glut hinein und das Verschwelen beginnt von innen nach außen.

...Wasser beim Köhlern wichtig ist?
Die noch heiße Kohle wird beim Ernten zunächst mit wenig Wasser abgekühlt, auflodernde Glutnester werden vorsichtig gelöscht. Aber Achtung: zu viel Wasser mindert die Kohlenqualität, ohne Wasser hingegen kann im letzten Augenblick die Kohle zu wertloser Asche niederbrennen.

Veranstaltungsübersicht 2026

Freitag, 10. Juli 2026 • 17 Uhr
Festliches Anzünden des KohlenmeilersEs musizieren die Jagdhornbläser der Kreisgruppe Waldmünchen des BJV und die Waldmünchner Köhlermusik. Für das leibliche Wohl sorgt der Volkstumsverein Waldmünchen.
Mittwoch, 15. Juli, 22. Juli und 29. Juli 2026 • jeweils 19 Uhr
Romantischer Feierabend mit der Waldmünchner Köhlermusik
Samstag, 25. Juli 2026 • 10 Uhr
Aufbau des KinderkohlenmeilersDie Waldmünchner Ferienkinder bauen und zünden ihren eigenen Kohlenmeiler unter der Anleitung der "großen" Köhler.
Samstag, 1. August 2026 • 14 Uhr
Festlicher Abschluss der MeilerwochenMusik, Brotzeit und Getränke vom Volkstumsverein Waldmünchen e.V.

Der Meilerplatz befindet sich im Böhmerwald, genau an einer Stelle, wo bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ebenfalls schon regelmäßig Kohlenmeiler betrieben wurden.
Der Veranstaltungsort ist zu Fuß in 20 Minuten zu erreichen von den Wanderparkplätzen bei Perlhütte und am Keilbügerl. Von dort sind die Wege zum Kohlenmeiler ausgeschildert.

Rückblick

Bilder der Chamer Zeitung und des BSZ - Berufliches Schulzentrum Oskar-von-Miller, Neunburg vorm Wald

Kohlenmeiler Aufbau

Gemeinsame Arbeit (© Chamer Zeitung)

Aufbau Meiler - Bild 2

Die Holzscheite um den "Quandelschacht" sind aufgerichtet (© BSZ)

Aufbau Meiler - Bild 3

Frisches Fichtenreisig wird aufgelegt (© BSZ)

Aufbau Meiler - Bild 4

Luftdichte Abdeckung mit Erdreich (© BSZ)

Aufbau Meiler - Bild 5

Der Kohlenmeiler kann angezündet werden (© BSZ)

Kohlenmeiler löschen

Der Kohlenmeiler wird abgebaut (© Jürgen Köbler)

Mehr zu den Kohlenmeilerwochen

Waldnutzungsart aus längst vergangener Zeit hautnah erleben

Holzkohle war der wichtigste Energieträger der mittelalterlichen Montanindustrie in der Oberpfalz. Unzählige Hüttenwerke und Eisenhämmer verbrauchten Unmengen davon. Dieser erste industrielle Aufschwung führte zu einem massiven Raubbau in den Wäldern der Region. Die urspünglich weit verbreiteten Laubbäume wurden zugunsten der schnell wachsenden Nadelhölzer zurückgedrängt. Um an die Bedeutung der Holzkohlegewinnung und die Tradition der Köhlerei zu erinnern, regte der örtliche Revierleiter Jürgen Köbler vor mittlerweile 26 Jahren an, jährlich im Raum Waldmünchen einen Kohlenmeiler aufzurichten und abzubrennen.

Neben der Bewahrung der traditionellen Waldnutzungsform sah Köbler die Veranstaltung von Anfang an als eine hervorragende waldpädagogische Plattform, um den zahlreichen Besucherinnen und Besuchern des Kohlenmeilers die Leistungen der heutigen Forstwirtschaft vor Augen zu führen und über die Belange der Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer zu informieren. Ihnen ist es in den zurückliegenden Jahrzehnten gelungen, die ehemals verarmten Nadelholzreinbestände wieder in artenreiche Mischwälder umzubauen.

Der über Wochen hinweg rauchende Kohlenmeiler ist stets ein Besuchermagnet, der Menschen aus der näheren und weiteren Umgebung anzieht und eine besondere Waldstimmung vermittelt.

Den Rohstoff - rund 25 Raummeter Buchenholz - stellt jeweils der Forstbetrieb Roding der Bayerischen Staatsforsten zur Verfügung. Das akkurate Aufschichten des Meilers und die schweißtreibende Ernte der Holzkohle bewerkstelligen im Rahmen von Praxistagen die Forstwirt-Azubis des Beruflichen Schulzentrums "Oskar-von-Miller", Neunburg vorm Wald. Sie kommen aus ganz Bayern und aus allen Waldbesitzarten und absolvieren in Neunburg ihre Berufsschulzeit.

Der Naturpark Oberer Bayerischer Wald und die Stadt Waldmünchen übernehmen die intensive Werbung für die Veranstaltung über das engere Umfeld hinaus und und stellen Personal und Gerätschaften zur Verfügung.

Der eigentliche Pate der Aktion ist der örtliche Volkstumsverein. Er versorgt die Besucherinnen und Besucher auch mit Erfrischungen und kleinen Brotzeiten und kümmert sich um den musikalischen Rahmen an den Veranstaltungstagen.

Revierleiter Jürgen Köbler vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Cham schließlich steht im Zentrum des gesamten Netzwerkes und hält die vielen unterschiedlichen Fäden zusammen.

Das Köhlerhandwerk wurde 2014 in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der Deutschen UNESCO-Kommission aufgenommen.