Futterknappheit - was tun?

Maishäcksler und Traktor mit Anhänger fahren durch Maisfeld

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Trockenheit und Dürre haben bei den Futterbaubetrieben zu hohen Ernteausfällen geführt.

In vielen Regionen der Oberpfalz fehlen auf den Grünlandflächen durch die langanhaltende Trockenheit ein bis zwei Schnitte. Grassilage und Heu sind daher absolute Mangelware und heiß begehrt. Der Silomais ist im Ertrag meist zufriedenstellend, mit regionalen Ausnahmen. Er wird in einigen Betrieben die Futtersituation aufbessern. Trotzdem ist abzusehen, dass das Futter über dem Winter in fast allen tierhaltenden Betrieben knapp wird. Also was tun?

18 Kubikmeter Silagevorrat je Großvieheinheit (GV) vor dem Winter anstreben:
Betriebliche Futterbilanz auf Basis Silagevorrat in Kubikmeter

Ziel für eine sichere Grundfutterversorgung sind zumindest 18 m³ /GV Silagevorrat (einschließlich Pressschnitzel- oder Biertrebersilage) nach der letzten Grundfutterernte. Bei ganzjähriger Silagefütterung reicht dieser Vorrat für ca. 1 Jahr. Ein Quaderballen Stroh (0,7x1,2x2,4 m) oder ein größerer Rundballen Stroh (Durchmesser 1,5) kann mit ca. 1 m³ Silagevorrat bewertet werden. Bei Heu wäre der Vergleichswert bei ca. 1,5 m³ Silagevorrat.
Um zumindest über den Winter zu kommen, sollte ein Vorrat von ca. 8 bis 10 Monaten angelegt sein (Oktober bis Juni). Bei 1,5 m³ Silagevorrat je Monat und GV sollten mindestens 12 bis 15 m³ Silagevorrat vorhanden sein.
Heuer ist vor allem bei sehr trockenen Silagen eine geringere Verdichtung zu erwarten. Hier sollte ein Aufschlag um 10 % hinzugerechnet werden.

So ermitteln SIe Ihre betriebliche Futterbilanz in Kubikmetern je GV:

  1. Ermitteln Sie die Vorräte an Silagen, Heu und Stroh in Kubikmetern.
  2. Zählen Sie die Ertragserwartung des letzten Schnitts hinzu. Der letzte Schnitt wird einen Ertrag von 0-15 m³ Silageertrag je Hektar bringen.
  3. Ermitteln Sie Ihren derzeitigen GV-Bestand über das Bestandsregister der HIT-Datenbank.
  4. Zählen Sie die Futtervorräte aus 1. und 2. zusammen und teilen das Ergebnis durch den GV-Besatz.
  5. Das Ergebnis in m³/GV können Sie anhand der Tabelle unten besser einschätzen.
Bewertung der betrieblichen Futterbilanz/Futtervorräte vor dem Winter in m³/GV
Futtervorräte in m³ je GV nach letzter Grundfutterernte (Anfang Oktober) Bewertung:
> 18 m³ / GV Gute Vorratslage, weitere Maßnahmen nicht zwingend, Möglichkeit für eine gleichbleibende Rationszusammensetzung (Gras-Mais-Anteile) über das gesamte Jahr gegeben
15-18 m³ / GV Vorrat reicht bis ca. Juni 19, Anbau von Winterzwischenfrüchten wird empfohlen, durchgängige Silomaisfütterung kann bis zur nächsten Silomaisernte nicht garantiert werden, Anbau von Kleegras um Silomais übers Jahr strecken zu können, Strohanteil in den Rationen evtl. erhöhen, Futtervorräte im nächsten Jahr mit höheren Ackerfutteranbau auffüllen
< 15 m³ / GV Vorrat reicht kaum aus um den Viehbestand bis Juni 2019 versorgen zu können, Bestandsabstockung notwendig sofern kein Grundfutterzukauf möglich ist, frühzeitig mit der Selektion des Jungviehs und der Kühe beginnen

Zwischenfruchtanbau zu Futterzwecken

Jetzt noch Weidelgras oder Grünroggen anbauen!
Der Anbau von Zwischenfrüchten zu Futterzwecken ist ein gängiges Mittel, um Futterreserven aufzubauen. Unterschieden werden Sommerzwischenfrüchte mit Nutzung noch im Anbaujahr und Winterzwischenfrüchte mit Nutzung erst nach dem Winter. Das Jahr ist bereits sehr vorangeschritten. Der Anbau von Sommerzwischenfrüchten benötigt eine restliche Vegetationszeit von 8 bis 10 Wochen, um nennenswerte Erträge zu erreichen. Somit bieten sich jetzt eher Winterzwischenfrüchte im Anbau an.

Weitere Infos finden Sie in unserem Infobrief

Welsches Weidelgras

Aussaat kann bis Mitte September erfolgen mit einer Aussaatstärke von 30 bis 50 kg/ha. Die Ernte ist teilweise schon Ende April möglich. Sinnvoller ist aber oftmals ein gemeinsames Silieren mit dem ersten Grünlandschnitt Anfang Mai. Dies hat den Vorteil, dass die Erntelogistik nur einmal organisiert werden muss, und das Welsche Weidelgras durch eine frühe Mainutzung (anstelle von Aprilnutzung) nochmals enorm im Ertrag zulegt. Die Ertragserwartung liegt bei Beginn des Ährenschiebens bei: 30 dt TM/ha (10-15 m³ verdichtete Silage je Hektar). In wuchsgünstigen Frühjahren kann der Ertrag durchaus noch höher sein (15-20 m³ verdichtete Silage je Hektar).
Die gewonnene Silage ähnelt in der Futterqualität grasreichen Wiesenbeständen. Bei früher Saat bis Anfang August ist in Normaljahren durchaus auch noch ein Herbstschnitt möglich. Nach der ersten Frühjahrsnutzung kann der Bestand entweder umgepflügt und Mais nachgebaut oder als Ackergras weiter genutzt werden. Einen zweiten Winter überlebt das Welsche Weidelgras in winterharten Regionen nur mit deutlichen Ausfallerscheinungen. Ein zweites Hauptnutzungsjahr ist nicht zu empfehlen. Beim Anbau ist unbedingt zu berücksichtigen, dass die Bestände kurz bis sehr kurz in den Winter gehen sollen. Nicht selten passiert es, dass überwachsene Welsch-Weidelgrasbestände durch Schneeschimmel im Frühjahr total ausgewintert sind.
Tipp:
Später Schröpfschnitt Ende Oktober durchaus sinnvoll! Waschen und wintern Sie Ihre Mähwerke nicht zu früh ein!

Grünroggen

Saat noch bis Ende Oktober mit einer Aussaatstärke von 160 bis 200 kg/ha (je später die Aussaat, desto später auch die Ernte im Frühjahr beim Ährenschieben, meist Ende April). Die Ertragserwartung liegt bei 40 bis 70 dt TM/ha (20-25 m³ Silage je ha). Grünroggen ist unkompliziert bei der Silierung und wird auch gerne von Rindern gefressen. Der Energiegehalt liegt bei Silierung vor der Blüte bei > 6,0 MJ NEL / kg TM. Allerdings ist der TM-Gehalt selten oberhalb 25 %. In Verbindung mit trockenen Silagen ist der niedrigere TM-Gehalt sogar ein Vorteil, da die Gefahr des Selektierens bei Mischrationen sich wesentlich reduziert.

Die Futterqualität von Winterzwischenfrüchten können Sie hier einsehen.

Stroheinsatz in der Fütterung

Merke: das Stroh muss ins Tier, nicht nur auf den Futtertisch!!
An erster Stelle steht meist das Strecken der vorhandenen Mengen an Gras- und Maissilagen mit Stroh bei gleichzeitigem Ausgleich von Eiweiß, Energie und der Mineralstoffe. Rationsberechnung ist daher zwingend, um die Tiere weiterhin optimal mit den einzelnen Nährstoffen versorgen zu können.
Stroh sollte in das Futter eingemischt werden können. Futtermischwagen wäre wünschenswert. Es sollte kurz (ca. 4 cm) geschnitten sein, da es sonst selektiert wird. Zur Verhinderung des Selektierens kann zusätzlich z. B. Melasse zugegeben werden. Bei melkenden Kühen bilden ca. 2-4 kg Stroh aufgrund der Energiedichte ungefähr die "Schallmauer" für eine Milchleistung bis 30 kg (ca. 6,7 MJ NEL/kg TM). Je besser die Grundfutterqualitäten desto mehr Stroh kann eingesetzt werden.
Bedeutende Mengen können vorrangig im Jungviehbereich im zweiten Aufzuchtjahr zum Einsatz kommen. Bei der Nachzucht kann mit Stroh rund 1/5 der Grundfuttermenge eingespart werden. Beim üblichen Aufstellen der gesamten weiblichen Rinder beansprucht das Jungvieh 40 – 50 % der Vorräte an Grobfutter!
Jedoch muss der Energiegehalt mit Getreide oder Körnermais, der Eiweißgehalt mit Rapsextraktionsschrot und die Mineralstoffversorgung ergänzt werden. Der Einsatz von Stroh eignet vor allem im zweiten Aufzuchtjahr. Im ersten Aufzuchtjahr sollte das Strecken mit Stroh eher vermieden werden.

Reduktion des Viehbestands

Bei Futterknappheit empfiehlt es sich frühzeitig an eine Verringerung des Viehbestands zu denken. Im Milchviehbetrieb sollte vorrangig das Jungvieh in den Fokus rücken.
Der Betrieb im Beispiel hat ca. 40 GV Jungviehbestand, da er sämtliches Jungvieh selbst aufzieht. Vom Grundfutter frisst das Jungvieh somit gut 40 bis 50 %. Bei einer Remontierungsrate von 30 % im Milchkuhbestand würde ein Jungviehbestand von 20 bis 25 GV durchaus ausreichen. Der Betrieb käme auch so ohne Tierzukäufe zur Remontierung des Milchkuhbestands zurecht. Eine Abstockung des Jungviehbestands auf die 20-25 GV ist natürlich nicht schlagartig möglich. Nur Rinder, die nicht trächtig sind können geschlachtet werden. Der Landwirt könnte aber schon ab jetzt nur die zur Weiterzucht gewünschten Tiere besamen. Die unbesamten Tiere könnten zum späteren Zeitpunkt als Schlachttiere vermarktet werden.
Betriebe mit erheblich schlechterer Futterbilanz kommen wohl um die Abstockung des Milchviehbestands nicht herum. Gehen Sie Ihren Bestand sorgfältig durch. Kühe mit hohen Zellzahlen und/oder Euterproblemen, Kühe mit Fruchtbarkeitsproblemen und leistungsschwache Kühe sollten jetzt selektiert werden.

Futterverluste minimieren

Ist Futter knapp sollte man damit nicht verschwenderisch umgehen. Der Kubikmeter Silage kostet 30 bis 50 €. 1,5 m³ Silage reichen um 1 GV für einen Monat zu versorgen. Durch Fehl- oder Nachgärung, bzw. Nacherwärmung an der Anschnittsfläche bzw. am Futtertisch entstehen schnell Futterverluste von bis zu 25 %. In Zeiten der Futterknappheit und Grundfutterpreisen auf Höchstniveau ist dies besonders ärgerlich.

Riskieren Sie keine Nacherwärmung durch vorzeitiges Öffnen des Maissilos!

Die Silomaisernte ist eingefahren. Im Silo läuft noch der Gärprozess. Gerade bei Silomais mit hohen TM-Gehalten von > 35 % braucht der Silierprozess deutlich länger. Wurden Silierhilfsmittel eingesetzt ist es umso wichtiger den Gärverlauf nicht zu stören. Maissilos sollten mindestens 8, besser 12 Wochen nach der Ernte geschlossen bleiben. Angesichts des sehr frühen Erntetermins des Silomais dürfte das überall möglich sein.

Weitere Tipps, um Nacherwärmung zu vermeiden, im Infobrief des Fachzentrums Rinderhaltung Cham

Ansprechpartner

Georg Dietl
AELF Cham
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Fax: 09971 485-160
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