Erzeugung gestalten – Arten erhalten
Biodiversität im Landkreis Cham

Wabenförmig angeordnete Bilder und Schriftzug "Produktion gestalten, Arten erhalten"

Biodiversität steht für die Vielfalt des Lebens auf unserer Erde. Im Ökosystem sind Mensch, Tier, Pflanze und Landschaft miteinander verwoben. Wer diese Vielfalt schützt, sorgt für eine intakte Umwelt, mehr Lebensraum für Insekten und damit auch für Lebensqualität und Wohlergehen aller.

Unser Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten unterstützt Landwirte, eine nachhaltige Bewirtschaftung umzusetzen. Förderprogramme werden stärker auf Biodiversität ausgerichtet, der Trend zur Regionalität wird gestärkt.

Schwerpunkte

Acker und Grünland - artenreiche Grünlandbestände auf extensiv genutzten Standorten

Über die Hälfte der landwirtschaftlich genutzten Fläche im Landkreis Cham wird als Dauergrünland genutzt. Aufgrund der gegebenen Standort- und Nutzungsunterschiede ist Grünland generell sehr artenreich. Wiesen, die nicht oder nur mäßig gedüngt und maximal dreimal geschnitten werden, gestalten sich besonders vielfältig.
  • Auf über 400 Hektar werden artenreiche Grünlandbestände erhalten (im Rahmen des Kulturlandschaftsprogramms, kurz KULAP, Maßnahme B 40).
  • Zu den im Landkreis Cham am häufigsten vertretenen Kennarten zählen der Große Wiesenknopf, der Frauenmantel und die Artengruppe der gelb blühenden Korbblütler.
  • Ein Beispiel dafür, wie eng Tier- und Pflanzenwelt verknüpft sind und welch hohen Stellenwert der Erhalt des ursprünglichen Lebensraums hat, ist der Wiesenknopf-Ameisenbläuling, der auch in der Regentalaue beheimatet ist.

Bayerns Ureinwohner - der Wiesenknopf-Ameisenbläuling

Wichtigste Voraussetzung für das Auftreten dieses Tagfalters aus der Familie der Bläulinge ist das Vorkommen von
  • einer bestimmten Pflanze, des "Großen Wiesenknopfes" (lat. Sanguisorba officinalis), und
  • einer Insektenart, der "Rotgelben Knotenameise" (lat. Myrmica rubra).
Beide Arten spielen eine entscheidende Rolle im Entwicklungszyklus des Schmetterlings. Die Eier werden ausschließlich in die noch nicht aufgeblühten Blütenknospen des großen Wiesenknopfes abgelegt. Nach dem Schlüpfen ernähren sich die Raupen zunächst von diesen, bevor sie sich zu Boden fallen lassen und von den Wirtsameisen der "Gelbroten Knotenameise" aufgesammelt und in das Ameisennest getragen werden. Dort wird die Raupe von den Ameisen gefüttert und überwintert, bis sie sich im Frühjahr schließlich verpuppt. Nach dem Schlüpfen im Sommer funktioniert die Tarnung nicht mehr und der Schmetterling muss schnellstens das Ameisennest verlassen, um nicht gefressen zu werden. Nur wenige Tage bleiben dem Schmetterling dann, um den Lebenszyklus zu vollenden und die Art zu erhalten.
Heller Wiesenknop-Ameisenbläuling

Heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling

Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling

Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling

Regentalaue - Naturschutz und Landwirtschaft ziehen an einem Strang

Die Regentalaue zwischen Cham und Pösing ist das größte Naturschutzgebiet der Oberpfalz und gleichzeitig Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000.
  • Auf rund 1.500 Hektar Fläche kommen hier über 1000 Tier- und 600 Pflanzenarten vor.
  • Viele überregional bedrohte Arten haben dort ihr letztes Rückzugsgebiet gefunden, allein 10 von 31 nach der Roten Liste Bayerns vom Aussterben bedrohten Vogelarten brüten in der Auenlandschaft.
Die Landwirte tragen mit einer extensiven Bewirtschaftung der Feuchtwiesen im Rahmen des Vertragsnaturschutzprogrammes dazu bei, die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt zu erhalten.
Beweidungsprojekt Regentalaue
Im Jahr 2018 wurde unter Federführung der Unteren Naturschutzbehörde auf einem 21 Hektar großen Teilgebiet das "Beweidungsprojekt Regentalaue" gestartet. In enger Zusammenarbeit mit den landwirtschaftlichen Projektpartnern und der Landwirtsfamilie Fuchs wird die Fläche vom Roten Höhenvieh, einer vom Aussterben bedrohten Rinderrasse, beweidet.
Das Projekt beweist: Naturschutz und Landwirtschaft können gemeinsam neue Wege gehen.

Ackerland - 8.000 Hektar für Vielfalt

Der Schlüssel zu mehr Vielfalt am Acker ist eine möglichst weite Fruchtfolge. Dass in der Praxis weit mehr realisiert wird, als die oftmals vorgeworfene Monokultur Mais, zeigen die Landwirte, die sich im Rahmen der Kulap-Maßnahme "Vielfältige Fruchtfolge" dazu verpflichtet haben, auf ihrer Ackerfläche jährlich mindestens fünf verschiedene Kulturarten anzubauen.
  • Auf rund 5.000 Hektar Ackerland bringen die Landwirte im Landkreis Cham damit mehr Vielfalt in unsere Kulturlandschaft.
  • Ein- und mehrjährige Blühflächen am Acker, die mit Hilfe spezieller, auf den Standort angepassten Saatgutmischungen angelegt werden, finden sich auf rund 250 Hektar Ackerland.
  • Nach Ernte der Hauptfrucht bedecken blühende Zwischenfruchtmischungen auf knapp 3.000 Hektar über das Winterhalbjahr den Boden, schützen ihn vor Erosion und Nährstoffauswaschungen und bieten Nahrung und Deckung für Insekten und Wildtiere.

Lebensraum Wasser - Gewässerschutz ist Artenschutz

Schon gewusst?
Bereits im Jahr 1800 berichtete das Bayerische Wochenblatt von Perlenbächen in der Oberpfalz. Namentlich erwähnt ist darin auch der Biberbach im Landkreis Cham. Damals bedauerte man, dass die Perlen der als Moosmuschel beschriebenen Schalentiere von geringer Qualität seien und ein Abfischen nicht lohne. Ein glücklicher Umstand vielleicht, denn heute ist der Biberbach eines der letzten Reservate der Flussperlmuschel in Deutschland.
Wasserqualität des Biberbachs verbessern
Um den Lebensraum der Flussperlmuschel nachhaltig zu sichern, muss die Wasserqualität im Biberbach verbessert werden. Auch Boden- und Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft gefährden das Ökosystem. Aus diesem Grund hat das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Cham den Biberbach in Zusammenarbeit mit dem Fachzentrum Agrarökologie in Amberg und der Wasserberaterin Eva Spießl-Mayr als Schwerpunktgebiet ausgewählt und berät die Landwirte über mögliche Schutzmaßnahmen für die Gewässer. 2018 konnte man - bei einer durchschnittlichen Breite von 7 Metern – rund 80 km Gewässer- und Erosionsschutzstreifen nachweisen.

Streuobstwiesen: Alte Sorten für neue Vielfalt

Streuobstwiesen sind Lieferant schmackhafter Früchte und haben eine überragende Bedeutung für die Natur. Über 5000 Tier- und Pflanzenarten nennen das Habitat ihre Heimat. Auch im Landkreis Cham hat Streuobst eine lange Tradition - mit ungewöhnlichem Sortenreichtum.
Schon gewusst?
358 verschiedene Sorten Streuobst wurden im Rahmen eines Forschungsprojektes der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) und der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) erfasst. Das ist Platz drei im bayernweiten Vergleich.
Echte Rarität - der "Rote Fuchserer"
Damit bieten die Streuobstbestände im Landkreis Cham Lebensraum für eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt und sind selbst ein Stück Biodiversität in der Kulturlandschaft.
Besonders wertvoll ist die Vielzahl an historischen Sorten, die unter anderem im Kreislehrgarten in Walderbach zu finden sind. Als echte Rarität ist der "Rote Fuchserer" zu nennen, eine sehr seltene Lokalsorte, von dem nur noch drei Altbäume bekannt sind. Alte Sorten stellen einen Genpool für künftige Züchtungen dar. Häufig verfügen sie über Resistenzeigenschaften als Grundlage für eine verbesserte Pflanzengesundheit oder sind außergewöhnlich schmackhaft.