Waldschutz
Die Borkenkäfer schwärmen - Gefahr für alle Fichtenbestände

Borkenkäfer (Bild: R. Vornehm)

Bild: R. Vornehm

Aufgrund der hohen Temperaturen und der Trockenheit in den vergangenen Tagen und Wochen konnten sich die Borkenkäfer an Fichte schneller als üblich entwickeln. Die zweite Generation ist bereits ausgeflogen. Damit droht Gefahr für alle Fichtenbestände. Alle Waldbesitzer müssen deshalb ihre Bestände regelmäßig auf Befall durch Borkenkäfer kontrollieren. Wegen der hohen Temperaturen sollte dies möglichst wöchentlich erfolgen.

Buchdrucker und Kupferstecher, die beiden gefährlichsten Borkenkäfer an der Fichte, konnten bereits im Jahr 2016 ihren Bestand deutlich ausbauen. Dem Buchdrucker gelang es in den zurückliegenden Jahren, erfolgreich eine dritte Generation anzulegen. Auch der Kupferstecher konnte seinen Bestand weiter erhöhen. Die Waldbesitzer müssen deshalb alle Käfernester, aber auch befallene Einzelbäume aufarbeiten und das Holz schnellstmöglich aus dem Wald entfernen.
Bedingt durch die hohe Borkenkäferpopulation und viele nicht aufgearbeitete Käfernester aus dem Jahr 2017 konnte eine große Anzahl an Käfern überwintern. Durch den trockenen und warmen April begannen die Käfer verhältnismäßig früh und in großen Zahlen zu schwärmen. Das im Winter gebrochene und vom Wind geworfene Holz bot den Waldschädlingen gute Startbedingungen. Ein hoher Befallsdruck im Frühjahr führte zu einem goßen Schadholzaufkommen.
Die zweite Generation von Buchdrucker und Kupferstecher ist bereits ausgeflogen. Derzeit wird die dritte Generation und die Geschwisterbrut angelegt. Stellenweise ist der Befall so stark, dass sich die einzelnen Generationen nicht mehr unterscheiden lassen. Bei der derzeitigen Witterung ist damit zu rechnen, dass der nächste Ausflug Ende August beginnt. Vielerorts im Landkreis Cham ist mit permanentem und akutem Stehendbefall zu rechnen.
Die Gefährdungslage der beiden Borkenkäferarten kann jederzeit unter folgender der Adresse eingesehen werden:

Wie kann ich Borkenkäferbefall erkennen?

Abbildung 1: Braune Bohrmehlhäufchen an Fichte (Foto: A. Bauer)Zoombild vorhanden

Abbildung 1: Braune Bohrmehlhäufchen an Fichte (Foto: A. Bauer)

Ein deutliches Kennzeichen sind rot verfärbte Fichtenkronen. Wenn die Kronen rot sind, haben die meisten Käfer den Brutbaum aber schon verlassen und Nachbarbäume befallen. Damit ist es für eine wirkungsvolle Bekämpfung bereits zu spät. Frischer Befall durch Buchdrucker zeigt sich am braunen Bohrmehl. (sh. Abbildung 1)
Die Suche danach ist die einzig wirksame Methode, den Befall rechtzeitig zu erkennen. Das Bohrmehl ist bei trockener Witterung gut an der Rinde sichtbar, oft auch am Stammfuß eines Baumes, an Spinnweben oder auf den Blättern der Bodenvegetation.
Kupferstecherbefall FichtenZoombild vorhanden

Abbildung 2: Fichten mit Befall durch Kupferstecher (Foto: A. Bauer)

Deutlich schwieriger gestaltet sich die Suche nach Bäumen, die vom Kupferstecher befallen sind. Dieser kleine Fichtenborkenkäfer bohrt sich in Bereiche mit dünner Rinde ein. Bei Altbäumen ist das der Wipfelbereich. Das beim Einbohren des Käfers anfallende Bohrmehl wird durch den Wind verfrachtet. Ein Befall kann deshalb nicht durch eine Bohrmehlansammlung am Stammfuß erkannt werden. Ein genaues Hinsehen der Waldbesitzer ist hier notwendig.
Abgefallene Nadeln als Zeichen für BorkenkäferbefallZoombild vorhanden

Abbildung 3: Abgefallene Nadeln als Zeichen für Borkenkäferbefall (Foto: A. Bauer)

Befall durch Borkenkäfer lässt sich auch an abgefallenen, fahlgrünen Nadeln erkennen. Dies jedoch auch erst zu einem späten Stadium des Befalls. (sh. Abbildung 3)

Handlungsempfehlungen

Aufgrund der hohen Population bei beiden Borkenkäferarten ist es notwendig, laufend Befallskontrollen durchzuführen. Alle befallenen Fichten müssen schnellstmöglich gefällt und aus den Beständen verbracht werden, bevor die Rinde abfällt. Bei der Lagerung von eingeschlagenem Nadelholz ist dabei eine Entfernung von mindestens 500 m zum nächsten Nadelwald oder Nadelmischwald einzuhalten. Zur sauberen Waldwirtschaft gehört aber auch, dass sämtliches fängisches Material (Stammteile, stärkere Äste und Kronenmaterial) aus den Beständen beseitigt wird. Häckseln ist die bessere Methode.

Förderung der insektizidfreien Borkenkäferbekämpfung

Aufgrund der kritischen Entwicklung der Borkenkäfer wurde ein Hilfsprogramm zur Unterstützung der Waldbesitzer eingeführt. Gefördert wird:

  • die Entrindung von Schadholz
  • das waldschutzwirksame Häckseln von Rest- und Gipfelholz im Wald
  • die Zwischenlagerung von Stammholz in einer Entfernung von mehr als 500 m zum Wald

Pflicht zur Borkenkäferbekämpfung - Ersatzvornahme als letztes Mittel

Die Forstbehörden unterstützen die Waldbesitzer in der Bekämpfung dieser gefährlichen Nadelholzschädlinge. Sie stehen dabei gerne mit Rat und Tat zur Seite. Im Landkreis Cham sind acht Revierförster tätig. Diese können aber keinesfalls eine über 60.000 Hektar große Waldfläche vollständig kontrollieren. Die Überwachung, eine entsprechende Befallsmitteilung an das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie die Bekämpfung der Käfer ist laut gesetzlicher Verordnung ganz klar Aufgabe des Waldbesitzers.
Dort, wo die Förster Befall feststellen oder wo sie Kenntnis von Problemen mit untätigen Nachbarn erhalten, handeln sie im Rahmen ihrer Dienstpflicht zum Schutz und Erhalt unserer Wälder. Dies geschieht in Form von Beratung und Information der betroffenen Waldbesitzer sowie einer Aufforderung zur rechtzeitigen Bekämpfung. Bei bestandsbedrohender Gefahr und uneinsichtigen Waldbesitzern, bei denen die Beratung nicht zum Erfolg führt, wird das Landratsamt eingeschaltet. Dieses ordnet dann unter Fristsetzung die Durchführung einer Ersatzvornahme an.
Da sich die Verordnungs- und Rechtslage in jüngster Zeit geändert hat, weisen die Behörden vorsorglich darauf hin, dass Bescheide zur Androhung einer Ersatzvornahme nicht mehr - wie bisher - kostenlos erteilt werden können. Neuerdings müssen hierfür Gebühren erhoben werden. Auch die Forstbehörden sind in diesen Fällen dazu verpflichtet, ihre Vollkosten in Rechnung zu stellen. Dies bedeutet dass in den Fällen, in denen ein Bekämpfungsbescheid erlassen werden muss, nicht unerhebliche Kosten für den säumigen Waldbesitzer entstehen.
Wir raten Ihnen deshalb:
Lassen Sie es gar nicht erst soweit kommen und kümmern Sie sich rechtzeitig um die Suche nach Borkenkäferbefall sowie eine sachgerechte Aufarbeitung und Bekämpfung. Dann ist allen gedient - vor allem aber Ihnen selbst und Ihrem Wald.

Waldumbau als vordringliche Aufgabe

Alles deutet darauf hin, dass der Klimawandel in den nächsten Jahren und Jahrzehnten immer schneller fortschreiten wird. Dies wird infolge lang andauernder Trockenperioden zu einer Schwächung der Fichten führen. Profitieren werden die Borkenkäfer, die sich bei höheren Temperaturen schneller entwickeln können. Der Kampf gegen die Käfer kann nur dann zum Erfolg führen, wenn wir umgehend damit beginnen, unsere Wälder umzubauen. Nur Mischwälder, aufgebaut aus möglichst vielen standortangepassten Baumarten bieten die Chance, den Herausforderungen des Klimawandels gerecht zu werden. Das einseitige Setzen auf eine Baumart ist zu riskant.
Damit dies gelingen kann, müssen Waldbesitzer und Jäger an einem Strang ziehen. Die Waldbesitzer sind dabei gut beraten, durch entsprechende Eingriffe das Ankommen von Naturverjüngung zu fördern. Die Jäger müssen dafür sorgen, dass sich sowohl natürlich ankommende als auch künstlich eingebrachte Bäumchen entwickeln können. Die in den zurückliegenden Jahren auf großer Fläche beobachtete Entmischung durch selektiven Verbiss an Tanne, Buche, Eiche und vielen weiteren Mischbaumarten sollte endlich beendet sein.
Die Revierleiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Cham stehen den Waldbesitzern auch hier gerne beratend zur Seite:

Forstreviere im Landkreis Cham

Ein "weiter so" ist angesichts der beobachteten Klimaerwärmung im Interesse Aller nicht mehr hinnehmbar.