Waldschutzsituation
Borkenkäfer - erste Generation fliegt aus

Borkenkäfer (Bild: R. Vornehm)

Bild: R. Vornehm

In Folge des warmen Frühjahres und des heißen Juni hat sich die erste Borkenkäfergeneration rasch und in großer Anzahl fertig entwickelt. Die Jungkäfer schwärmen aktuell aus, um die zweite Generation anzulegen. Derzeit ist die Bohrmehlsuche erfolgsversprechend.

Die erste Generation der Fichtenborkenkäfer hat sich in dem warmen und weitestgehend trockenen Frühjahr und in dem heißen Frühsommer 2019 sehr schnell und in großer Zahl fertig entwickelt. Während die Altkäfer bereits vor wenigen Wochen zur Anlage der Geschwisterbrut ausgeflogen sind, schwärmen derzeit die Jungkäfer der ersten Generation aus, um die zweite Borkenkäfergeneration anzulegen. Dabei fliegen die Käfer vorrangig nahegelegene Fichten an, um sich dort einzubohren.
Mit einem frischen Befall ist daher im gesamten Landkreis, einschließlich der Hochlagen des Bayerischen Waldes zu rechnen. Um eine Massenvermehrung zu verhindern, ist es unbedingt notwendig, die frisch befallenen Bäume sofort aufzuarbeiten.
Die Suche nach frischem Bohrmehl ist im Moment eine zuverlässige Methode um frischen Befall festzustellen. Alle Waldbesitzer werden daher aufgefordert ihre Wälder intensiv auf frischen Borkenkäferbefall zu kontrollieren und die befallenen Bäume schnellstmöglich waldschutzwirksam aufzuarbeiten. Es empfiehlt sich dabei im Umkreis um bereits bekannte Borkenkäferflächen zu suchen.
Die Waldbesitzer tragen große Verantwortung nicht nur für den eigenen Wald, sondern auch für die Sicherheit der Nachbarbestände vor Borkenkäferbefall.
Die Gefährdungslage der beiden Borkenkäferarten kann jederzeit unter folgender Adresse eingesehen werden:

Aktuelle Informationen

Wie kann ich Borkenkäferbefall erkennen?

Abbildung 1: Braune Bohrmehlhäufchen an Fichte (Foto: A. Bauer)Zoombild vorhanden

Abbildung 1: Braune Bohrmehlhäufchen an Fichte (Foto: A. Bauer)

Ein deutliches Kennzeichen sind rot verfärbte Fichtenkronen. Wenn die Kronen rot sind, haben die meisten Käfer den Brutbaum aber schon verlassen und Nachbarbäume befallen. Damit ist es für eine wirkungsvolle Bekämpfung bereits zu spät. Frischer Befall durch Buchdrucker zeigt sich am braunen Bohrmehl. (sh. Abbildung 1)
Die Suche danach ist die einzig wirksame Methode, den Befall rechtzeitig zu erkennen. Das Bohrmehl ist bei trockener Witterung gut an der Rinde sichtbar, oft auch am Stammfuß eines Baumes, an Spinnweben oder auf den Blättern der Bodenvegetation.
Kupferstecherbefall FichtenZoombild vorhanden

Abbildung 2: Fichten mit Befall durch Kupferstecher (Foto: A. Bauer)

Deutlich schwieriger gestaltet sich die Suche nach Bäumen, die vom Kupferstecher befallen sind. Dieser kleine Fichtenborkenkäfer bohrt sich in Bereiche mit dünner Rinde ein. Bei Altbäumen ist das der Wipfelbereich. Das beim Einbohren des Käfers anfallende Bohrmehl wird durch den Wind verfrachtet. Ein Befall kann deshalb nicht durch eine Bohrmehlansammlung am Stammfuß erkannt werden. Ein genaues Hinsehen der Waldbesitzer ist hier notwendig.
Abgefallene Nadeln als Zeichen für BorkenkäferbefallZoombild vorhanden

Abbildung 3: Abgefallene Nadeln als Zeichen für Borkenkäferbefall (Foto: A. Bauer)

Befall durch Borkenkäfer lässt sich auch an abgefallenen, fahlgrünen Nadeln erkennen. Dies jedoch auch erst zu einem späten Stadium des Befalls. (sh. Abbildung 3)

Handlungsempfehlungen

Aufgrund der hohen Population bei beiden Borkenkäferarten ist es notwendig, laufend Befallskontrollen durchzuführen. Alle befallenen Fichten müssen schnellstmöglich gefällt und aus den Beständen verbracht werden, bevor die Rinde abfällt. Bei der Lagerung von eingeschlagenem Nadelholz ist dabei eine Entfernung von mindestens 500 m zum nächsten Nadelwald oder Nadelmischwald einzuhalten. Zur sauberen Waldwirtschaft gehört aber auch, dass sämtliches fängisches Material (Stammteile, stärkere Äste und Kronenmaterial) aus den Beständen beseitigt wird. Häckseln ist die bessere Methode.

Förderung der insektizidfreien Borkenkäferbekämpfung

Aufgrund der kritischen Entwicklung der Borkenkäfer wurde ein Hilfsprogramm zur Unterstützung der Waldbesitzer eingeführt. Gefördert wird:

  • die Entrindung von Schadholz
  • das waldschutzwirksame Häckseln von Rest- und Gipfelholz im Wald
  • die Zwischenlagerung von Stammholz in einer Entfernung von mehr als 500 m zum Wald

Pflicht zur Borkenkäferbekämpfung - Ersatzvornahme als letztes Mittel

Die Forstbehörden unterstützen die Waldbesitzer in der Bekämpfung dieser gefährlichen Nadelholzschädlinge. Sie stehen dabei gerne mit Rat und Tat zur Seite. Im Landkreis Cham sind acht Revierförster tätig. Diese können aber keinesfalls eine über 60.000 Hektar große Waldfläche vollständig kontrollieren. Die Überwachung, eine entsprechende Befallsmitteilung an das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie die Bekämpfung der Käfer ist laut gesetzlicher Verordnung ganz klar Aufgabe des Waldbesitzers.
Dort, wo die Förster Befall feststellen oder wo sie Kenntnis von Problemen mit untätigen Nachbarn erhalten, handeln sie im Rahmen ihrer Dienstpflicht zum Schutz und Erhalt unserer Wälder. Dies geschieht in Form von Beratung und Information der betroffenen Waldbesitzer sowie einer Aufforderung zur rechtzeitigen Bekämpfung. Bei bestandsbedrohender Gefahr und uneinsichtigen Waldbesitzern, bei denen die Beratung nicht zum Erfolg führt, wird das Landratsamt eingeschaltet. Dieses ordnet dann unter Fristsetzung die Durchführung einer Ersatzvornahme an.
Da sich die Verordnungs- und Rechtslage in jüngster Zeit geändert hat, weisen die Behörden vorsorglich darauf hin, dass Bescheide zur Androhung einer Ersatzvornahme nicht mehr - wie bisher - kostenlos erteilt werden können. Neuerdings müssen hierfür Gebühren erhoben werden. Auch die Forstbehörden sind in diesen Fällen dazu verpflichtet, ihre Vollkosten in Rechnung zu stellen. Dies bedeutet dass in den Fällen, in denen ein Bekämpfungsbescheid erlassen werden muss, nicht unerhebliche Kosten für den säumigen Waldbesitzer entstehen.
Wir raten Ihnen deshalb:
Lassen Sie es gar nicht erst soweit kommen und kümmern Sie sich rechtzeitig um die Suche nach Borkenkäferbefall sowie eine sachgerechte Aufarbeitung und Bekämpfung. Dann ist allen gedient - vor allem aber Ihnen selbst und Ihrem Wald.

Waldumbau als vordringliche Aufgabe

Alles deutet darauf hin, dass der Klimawandel in den nächsten Jahren und Jahrzehnten immer schneller fortschreiten wird. Dies wird infolge lang andauernder Trockenperioden zu einer Schwächung der Fichten führen. Profitieren werden die Borkenkäfer, die sich bei höheren Temperaturen schneller entwickeln können. Der Kampf gegen die Käfer kann nur dann zum Erfolg führen, wenn wir umgehend damit beginnen, unsere Wälder umzubauen. Nur Mischwälder, aufgebaut aus möglichst vielen standortangepassten Baumarten bieten die Chance, den Herausforderungen des Klimawandels gerecht zu werden. Das einseitige Setzen auf eine Baumart ist zu riskant.
Damit dies gelingen kann, müssen Waldbesitzer und Jäger an einem Strang ziehen. Die Waldbesitzer sind dabei gut beraten, durch entsprechende Eingriffe das Ankommen von Naturverjüngung zu fördern. Die Jäger müssen dafür sorgen, dass sich sowohl natürlich ankommende als auch künstlich eingebrachte Bäumchen entwickeln können. Die in den zurückliegenden Jahren auf großer Fläche beobachtete Entmischung durch selektiven Verbiss an Tanne, Buche, Eiche und vielen weiteren Mischbaumarten sollte endlich beendet sein.
Die Revierleiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Cham stehen den Waldbesitzern auch hier gerne beratend zur Seite:

Forstreviere im Landkreis Cham

Ein "weiter so" ist angesichts der beobachteten Klimaerwärmung im Interesse Aller nicht mehr hinnehmbar.